Kirchlich heiraten ohne Standesamt?

Seit dem 01.01.2009 gilt folgende Änderung des Personenstandsgesetzes:

 
Kirchliche Trauungen sind erlaubt, ohne dass die Partner standesamtlich geheiratet haben müssen.

Dabei tritt nun ein ganz anderes Problem auf: Theoretisch gesehen könnte man kirchlich den einen, standesamtlich einen anderen Partner heiraten.

Mit der Neuregelung wird gleichwohl damit nicht die seit 1876 in Deutschland obligatorisch eingeführte Zivilehe wieder abgeschafft. Auch ist das Eherecht nicht geändert worden. Die Ehe wird nur dadurch geschlossen, dass die Eheschließenden vor dem Standesbeamten erklären, die Ehe miteinander eingehen zu wollen (§ 1310 Abs. 1 BGB). Nur aus ihr folgen rechtliche Wirkungen für die Ehepartner.

Kirchlichen Trauungen oder religiösen Eheschließungsfeierlichkeiten wird dies auch in Zukunft nicht zukommen. Eine nicht vor dem Standesamt geschlossene Ehe hat danach grundsätzlich keine Rechtswirkungen. Der Wegfall der §§ 67 und 67a Personenstandsgesetz ändert hieran nichts.

 

Position der Kirchen

Evangelische Kirchen (Quelle: http://www.theology.de):

„Die Lebensordnung und die Leitlinien der Evangelischen Kirchen sehen vor: "Die kirchliche Trauung hat die vorangegangene bürgerliche Eheschließung zur Voraussetzung." Auch im aktuellen Kirchenrecht ist die standesamtliche Trauung die Voraussetzung für eine kirchliche Trauung.

EKD (Evangelische Kirchen Deutschlands) bekräftigt: Keine kirchliche Trauung ohne vorhergehende standesamtliche Eheschließung (15.09.2009)

Nach evangelischem Verständnis bleibt die zivilrechtliche Eheschließung auf dem Standesamt Voraussetzung für eine kirchliche Trauung. Dies bekräftigt die EKD in einer jetzt veröffentlichten gutachtlichen Äußerung. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bischof Martin Hein (Kassel), die den Text verfasst hat, erklärt darin, dass es auch künftig in den Gliedkirchen der EKD keine rein kirchlich geschlossenen Ehen geben soll. „Dem hier vorgetragenen evangelischen Verständnis von Ehe und Eheschließung entspricht es vielmehr, dass die Ehe als bürgerlich-rechtliche geschlossen und ihr in einem Gottesdienst Gottes Segen zugesprochen wird."

Die Ausarbeitung erscheint unter dem Titel „Soll es künftig kirchlich geschlossene Ehen geben, die nicht zugleich Ehen im bürgerlich-rechtlichen Sinne sind? Zum evangelischen Verständnis von Ehe und Eheschließung" als Nummer 101 in der Reihe EKD-Texte. http://www.ekd.de/download/ekd_texte_101.pdf“.

 

Katholische Kirche (Quelle: http://www.katholisch.de):

„Eine kirchliche Trauung ohne vorausgehende Zivileheschließung, die durch das neue Personenstandsgesetz möglich wird, solle nur im Ausnahmefall erfolgen, wenn eine standesamtliche Eheschließung für die Brautleute unzumutbar ist“, heißt es in der Ordnung. Bei fehlender Zivileheschließung sei immer die Unbedenklichkeitserklärung des Ortsbischofs, das sogenannte "Nihil obstat", einzuholen. Die Brautleute, die eine solche Erlaubnis erhalten, sollten ausdrücklich bestätigen, dass sie eine kirchliche Trauung erbitten - im Bewusstsein, dass diese keine rechtlichen Wirkungen im staatlichen Bereich entfaltet.

Insbesondere wird von ihnen das Versprechen erwartet, "alle Pflichten zu übernehmen und gewissenhaft zu erfüllen, die sie mit der kirchlichen Trauung übernehmen". Dazu gehöre insbesondere auch die materielle Fürsorge der Ehepartner füreinander und für die aus der Ehe hervorgehenden Kinder. Die Brautleute sollten auch Gründe angeben, warum sie eine standesamtliche Eheschließung nicht wollen. Eine entsprechende Erklärung der Brautleute zu ihrer Bitte um das "Nihil obstat" für eine kirchliche Trauung ohne vorausgehende Zivileheschließung müssen Braut und Bräutigam unterzeichnen.“

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